25 JAHRE MAUERFALL AM 9. NOVEMBER 2014

Zentrale Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Mauerfalls und Eröffnung der neuen Dauerausstellung "1961 | 1989. Die Berliner Mauer" in der Gedenkstätte Berliner Mauer

Anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls fand am Sonntag, den 9. November 2014, in der Gedenkstätte an der Bernauer Straße die zentrale Gedenkveranstaltung des Landes Berlin und der Bundesregierung in Erinnerung an den Fall der Berliner Mauer statt. Dabei wurde die neue Dauerausstellung "1961 | 1989. Die Berliner Mauer" im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte eröffnet und zudem die Ausstellung im ehemaligen Grenzstreifen entlang der Bernauer Straße mit dem Teilabschnitt zwischen Brunnenstraße und Ruppiner Straße vervollständigt.

Die Veranstaltung war eingebettet in das berlinweite Programm "25 Jahre Mauerfall". Sie fand in Anwesenheit der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, der Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Dr. Monika Grütters und weiteren Gästen aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft statt. Das Veranstaltungsprogramm, das sich bis Mitternacht erstreckte, ermöglichte am historischen Ort einen Blick auf die gegenwärtige Bedeutung der Ereignisse im Herbst 1989 für Deutschland, Europa und die Welt.

Zentrale Gedenkveranstaltung
Mit einem Posaunenruf des Jericho Brass Ensembles begann das Programm an der Hinterlandmauer. In Anspielung auf die Posaunen von Jericho, die einst die Mauern der biblischen Stadt zum Einsturz brachten, wird in dieser Form seit einigen Jahren der Fall der Berliner Mauer an der Gedenkstätte begangen. Auf die Begrüßung des Stiftungsdirektors Prof. Dr. Axel Klausmeier folgte eine Ansprache von Dr. Erhart Neubert, dem Vorsitzenden des Bürgerbüros e.V. Er unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Mauerfalls als eine erkämpfte Errungenschaft der DDR-Opposition und als ein positives, glückliches Ereignis in der deutschen Geschichte. Zugleich erinnerte er an die Todesopfer und sagte: "Die Freudentränen vom 9. November 1989 waschen das hier vergossene Blut nicht ab. Aber sie erinnern uns daran, dass sich der Einsatz für Freiheit und Menschenrechte immer lohnt." Danach konnten alle Gäste mit Rosen an der Hinterlandmauer ihrer Erinnerung Ausdruck geben. Eine Geste, die für die Freude der Überwindung der Berliner Mauer stand und gleichermaßen an die Opfer der innerdeutschen Grenze erinnerte.

In einem ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle der Versöhnung auf dem ehemaligen Grenzstreifen erinnerte der evangelische Landesbischof Dr. Markus Dröge an die historische Dimension des 9. November. Nicht nur der Mauerfall 1989, sondern auch die Reichspogromnacht 1938 gehöre zur deutschen Geschichte. Im Anschluss wurden am Denkmal zur Erinnerung an die Teilung der Stadt und im Gedenken an die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft Kerzen entzündet. Dieser symbolische Akt nimmt Bezug auf die Menschen, die während der Friedlichen Revolution mit Kerzen auf die Straße gegangen sind, um für Menschenrechte und freie Wahlen einzutreten.

Eröffnung der neuen Dauerausstellung "1961 | 1989. Die Berliner Mauer"
Mit einem Festakt wurde die neue Dauerausstellung im renovierten Dokumentationszentrum durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. Die Ausstellung widmet sich der gesamten Geschichte von der Teilung Berlins über den Mauerbau bis hin zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung.

Einleitend erinnerte Stiftungsdirektor Prof. Axel Klausmeier an die Akteure der Bürgerbewegung von 1989 und dankte allen, die an der Entstehung der Ausstellungen beteiligt waren. Dabei zitierte er den Historiker Karl Schlögel mit den Worten „Im Raume lesen wir die Zeit“ und fügte hinzu: "Erinnerung braucht Orte. Und so entstand in der Bernauer Straße eine einzigartige Erinnerungs-, Nachdenk- und Gedenklandschaft."

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit beschrieb die Gedenkstätte Berliner Mauer als "Kernstück" des Berliner Erinnerungskonzepts und verknüpfte dieses mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen: "Zu unserem Selbstverständnis als tolerante und weltoffene Metropole gehört das offene und ehrliche Erinnern an die Geschichte. (…) Wir alle sind gefordert, Gesicht zu zeigen, wo anderen Menschen Unrecht geschieht – sei es wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Lebensweise. Das ist unsere historische Verantwortung."

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ging in ihrer Rede auf die politischen Entwicklungen ein, die zur Öffnung der Berliner Mauer führten. Sie würdigte den historischen Ort Bernauer Straße und unterstrich die Bedeutung der Gedenkstätte: "Wer die Gedenkstätte besucht, versteht, wie wichtig es ist, auch 25 Jahre nach dem Mauerfall die SED-Diktatur aufzuarbeiten und Unrecht auch weiter als Unrecht zu bezeichnen." Zudem zeige sich am Ort des Erinnerns eine besondere Botschaft des Mauerfalls: "Es ist eine Botschaft der Zuversicht, heute und künftig weitere Mauern einreißen zu können – Mauern der Diktatur und der Gewalt, der Ideologien und der Feindschaften. Zu schön, um wahr zu sein? Ein Tagtraum, der wie eine Seifenblase zerplatzt? Nein, der Mauerfall hat uns gezeigt: Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben, wie es ist - mögen die Hürden auch noch so hoch sein."

Die Eröffnung der neuen Dauerausstellung wurde mit Musik von Dorothea Ebert, Urs Stiehler und Helmar Stiehler umrahmt. Eindrücklich erlebten die Gäste Dorothea Eberts Interpretation von Johann Sebastian Bachs Allemanda aus der Patria in d-Moll. Dieses Stück hatte sie nach ihrer Festnahme wegen eines Fluchtversuchs aus der DDR im Jahr 1983 und während ihrer mehrjährigen Haftstrafe in Gedanken immer wieder gespielt, um die Zeit der Haft bis zu ihrem Freikauf durch die Bundesrepublik zu ertragen.

Auf ihrem Rundgang durch die Ausstellung begegnete die Bundeskanzlerin einer Gruppe von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, deren Lebensgeschichten Teil der neuen Ausstellung im Dokumentationszentrum sind. Zur Freude der Beteiligten nahm sich die Kanzlerin viel Zeit für das Gespräch. Neben den persönlichen Geschichten wurden auch aktuelle politische Diskussionen aufgegriffen.

Der Besuch von Angela Merkel und weiteren Prominenten wurde von den Besucherinnen und Besuchern der Gedenkstätte aufmerksam verfolgt. Immer wieder kam es zu herzlichen Begegnungen zwischen den "Zaungästen", der Kanzlerin und ihrer Begleitung. So begrüßte Angela Merkel während ihres Ganges über die Bernauer Straße alle Kinder aus der 6. Klasse der Löcknitz Grundschule Wilmersdorf mit Handschlag. Sie standen als "Mauerspechte" vor dem erhaltenen gebliebenen originalen Teil der Berliner Mauer in der Bernauer Straße und riefen mit ihren Recordern den Sound der Tage und Wochen nach dem Mauerfall in Erinnerung.

Öffentliches Programm
Am Nachmittag des 9. November besuchten tausende Gäste aus dem In- und Ausland die Gedenkstätte, wo sie sich auf dem Gelände und an vier verschiedenen Veranstaltungsorten über den Mauerfall und die vorangegangenen Entwicklungen informieren konnten. Viele flanierten entlang des Mauerverlaufs, der in der Innenstadt durch weiße Ballons markiert war.

Bereits am Vorabend begann das öffentliche Programm mit einem Konzert des tschechischen Liedermachers und Sängers Jaroslav Hutka in der Botschaft der Tschechischen Republik. Der Unterzeichner der Charta 77 setzte sich durch bürgerschaftliches Engagement für Freiheit und Wahrheit in der CSSR ein und wurde 1989 zur "Stimme" der Samtenen Revolution.

Das rege Interesse an der neuen Dauerausstellung führte zeitweilig zur Schließung des Dokumentationszentrums wegen Überfüllung. Stündlich wurden hier Kuratorenführungen angeboten. Außerdem konnten die Besucher mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen, deren Geschichten in der Ausstellung zu entdecken sind.

In den neuen Begegnungsräumen des Dokumentationszentrums fand ein abwechslungsreiches Kinderprogramm statt. Mit Hilfe eines Quiz konnte die neue Ausstellung erkundet werden. Die Autorin Hannah Schott brachte den Kindern bei ihrer Lesung aus "Fritzi war dabei", einer "Wendewundergeschichte" die Situation vom Herbst 1989 anschaulich nahe. Ein Comic-Mal-Workshop mit Susanne Buddenberg und Thomas Henseler forderte Phantasie und Kreativität heraus. Die durch ihre Graphic Novels zur Berliner Mauer bekannt gewordenen Comic-Autoren gaben dabei auch Einblick in ihre Arbeit am neuen Comic für Kinder, "Berlin - Geschichte zum Einkleben".

Auf dem Außengelände fanden Sonderführungen zur Geschichte der Berliner Mauer in der Bernauer Straße in deutscher und englischer Sprache statt, im neu eröffneten Teilabschnitt der Außenausstellung zwischen der Brunnenstraße und dem Mauerpark wurden Kuratorenführungen angeboten. Die Künstlerin Sheryl Oring positionierte sich mit ihrer Performance "Maueramt" ebenfalls auf dem ehemaligen Grenzstreifen. Viele Touristen und Berliner blieben stehen und steuerten ihre Eindrücke und Erlebnisse aus dem geteilten Berlin bei.

Im hinter dem Dokumentationszentrum gelegenen Hotel Grenzfall fanden Lesungen und Präsentationen statt. Neben dem Multimediavortrag „Die Berliner Mauer in Musikvideoclips“ von Natalie Gravenor und dem TV-Projekt "25 Jahre Mauerfall - wir machen Fernsehen" der Herbert-Hoover Sekundarschule, stellten die Zeichnerin Kitty Kahane und die beiden Autoren Alexander Lahl und Max Mönch ihre neue Graphic Novel "Treibsand" über die letzten Tage vor dem Mauerfall vor. Den Schlusspunkt des Programms bildete die unterhaltsame Lesung der Schriftstellerin Claudia Rusch, die aus ihrem Roman "Meine Freie Deutsche Jugend" las und ihre Geschichten kommentierte.

In der Kapelle der Versöhnung gab es ein vielfältiges Konzertprogramm. Das Essener Gitarrenduo, Stefan Loos und Bernd Steinmann, spielte ein eigens zum Mauerfall komponiertes Stück für zwei klassische Gitarren. Ein weiteres Konzert gaben die Kammermusiker des European Union Youth Orchestra. Das letzte Konzert des Tages wurde von Christian "Kuno" Kunert gespielt. Der ehemalige Sänger der Klaus Renft Combo spielte alte Songs und erzählte von seinen Erinnerungen aus seiner unangepassten Zeit in der DDR und nach seiner Ausbürgerung in den Westen.

Im Besucherzentrum schließlich präsentierte die Gedenkstätte in Kooperation mit dem rbb Kulturradio Zeitzeugenpodien zu den wichtigsten Ereignissen der Friedlichen Revolution. In sieben Gesprächsrunden berichteten die Protagonisten anschaulich von ihren Erfahrungen aus dem Jahr 1989. Jedes der Themen wie die Gründung der neuen Parteien und politischen Bewegungen, die Massenflucht über Ungarn, die Großdemonstration am 4. November in Berlin und die Entwicklungen in Osteuropa bis hin zum Mauerfall wurde mit einem eigens produzierten Einspielfilm eingeführt. Auf der Bühne saßen Politiker, Journalisten, Schriftsteller, Bürgerrechtler und viele mehr. Durch das Programm führte die Moderatorin Shelly Kupferberg. Auch Besucherinnern und Besucher kamen zu Wort: Ein am Jubiläumstag produzierter Kurzfilm mit "Stimmen vom Tage" präsentierte ihre persönlichen Erinnerungen an den 9. November.

Zum Abschluss des Tages wurde um 23.30 Uhr, dem Zeitpunkt der Maueröffnung an der Bornholmer Straße, das historische Ereignis mit Musik des Trios Laccasax bei einem kleinen Empfang gefeiert. Dr. Maria Nooke, die stellvertretende Direktorin der Stiftung Berliner Mauer, begrüßte dazu als besonderen Gast Harald Jäger, der als stellvertretender Leiter der Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße am 9. November 1989 unter dem Ansturm der Massen den Schlagbaum freigegeben hatte und damit zur friedlichen Öffnung der Grenze beitrug.



Fotos: Babak Shomali, Gesa Simons, Uwe Steinert © Stiftung Berliner Mauer

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MEIN 9. NOVEMBER

Videointerviews vom 9. November 2014
Stimmen des Tages.
Videointerviews vom 9. November 2014 aus der Gedenkstätte Berliner Mauer
Video 1 (ca. 3:08 Min.)
Video 2 (ca. 7:40 Min.)

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