13. AUGUST 2016. ERINNERUNG AN DEN BAU DER BERLINER MAUER 1961 - AUDIO-DOKUMENTATION ZEITZEUGENCAFÉ

Im Garten des Hotels Grenzfall fand ein Zeitzeugencafé statt, bei dem in vier Gesprächsrunden ZeitzeugInnen ihre Erinnerungen zum 13. August 1961, zum Leben mit der Mauer, zur Jugendkultur nach dem Mauerbau und zu Aktionen gegen die Mauer mit den BesucherInnen teilten. Wir dokumentieren Auszüge aus den Gesprächsrunden in einer Audio-Dokumentation.

Der 13. August 1961 in Berlin

Zeitzeugencafé am 13.08.2016, Podium 1 Christa und Fritz Dorgerloh, Jacqueline Boysen, Horst Viehoefer, Wolfgang Engels (v.l.n.r.)

Die Abriegelung der Sektorengrenze am 13. August 1961 erlebten die Berliner im Ost- und Westteil auf unterschiedliche Weise:

Christa und Fritz Dorgerloh heirateten am 12. August standesamtlich in der DDR. Die kirchliche Trauung und Hochzeitsfeier fand in West-Berlin statt, um den geflüchteten Verwandten die Möglichkeit zu geben, mitfeiern zu können. Nachts fuhren sie mit einer der letzten S-Bahnen zurück nach Ost-Berlin, ohne die Abriegelungsmaßnahmen zu bemerken.

Am 13. August wurde Wolfgang Engels als NVA-Soldat in Berlin zum Schutz der DDR-Staatsgrenze eingesetzt. Zwei Jahre später durchbrach er mit einem gestohlenen Schützenpanzerwagen die Mauer und floh nach West-Berlin.

Der West-Berliner Horst Viehoefer erlebte die Grenzschließung in Lübars in unmittelbarer Nähe der Sektorengrenze und kam mit DDR-Grenzposten ins Gespräch.

Moderation: Jacqueline Boysen

mehr

Leben mit der Mauer

Zeitzeugencafé am 13.08.2016, Podium 2 Richard Mann, Brigitta Heinrich, Sandra Schwarte, Werner Kirchert (v.l.n.r.)

Von 1961 bis 1989 trennte die Berliner Mauer die Stadt. Welche Auswirkungen hatte die Grenzschließung auf das Leben der Menschen?

Brigitta Heinrich lebte in Klein-Glienicke, das als DDR-Gebiet nach West-Berlin hineinragte, von der Mauer umschlossen war und als "Sondersicherheitszone" galt.

Werner Kirchert wohnte Nahe der Bernauer Straße im Ost-Berliner Teil der Strelitzer Straße. Von seinem Fenster aus konnte er den Ausbau der Grenzanlagen beobachten. Nach seinem Auszug war er der Willkür der DDR-Behörden ausgesetzt, wenn er seine Eltern im Grenzgebiet besuchen wollte.

In den 1960er Jahren zog der US-Amerikaner Richard Mann nach West-Berlin und studierte an der Freien Universität. Er beteiligte sich an Fluchthilfeaktionen in Berlin und in der Tschechoslowakei.

Moderation: Sandra Schwarte (rbb-Inforadio)

mehr

Jugendkultur nach dem Mauerbau

Zeitzeugencafé am 13.08.2016, Podium 3 Selin Cumaoglu, Eckart Mann, Thorben Kurzbach, Udo Gebhardt, Lina Schäfer, Bernd Woick (v.l.n.r.)

Im Herbst 1969 machte unter Beat-Fans in der DDR ein Gerücht die Runde: Die Rolling Stones würden auf dem Springer-Hochhaus an der Grenze zu Ost-Berlin auftreten.

Udo Gebhardt kam nicht bis nach Berlin. Er wurde in Dessau festgenommen, weil er Rolling Stones-Fans zur Fahrt nach Berlin aufrief.

Bernd Woick machte an diesem Tag die einzigen bekannten Fotos von den wartenden Jugendlichen.

Auch Eckart Mann wollte die in der DDR verbotene Band live erleben. Mehrfach des Platzes verwiesen, wird er schließlich verhaftet und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteil.

Moderation: Selin Cumaoglu, Thorben Kurzbach und Lina Schäfer (Schülerinnen und Schüler des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner in Berlin-Reinickendorf)

mehr

Aktionen gegen die Mauer

Zeitzeugencafé am 13.08.2016, Podium 4 Peter Unsicker, Jutta Fleck, Harald Asel, Frank Willmann (v.l.n.r.)

Mit unterschiedlichen Aktionen versuchten Menschen dem DDR-Regime etwas entgegenzusetzen und den Blick auf den Zweck der Absperrmaßnahmen zu schärfen.

Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wurde Jutta Fleck 1982 von ihren Töchtern getrennt, in der DDR inhaftiert und zwei Jahre später von der Bundesrepublik freigekauft. Von West-Berlin aus erzwang sie durch zahlreiche Protestaktionen die Ausreise ihrer Töchter.

Nahe dem Grenzstreifen eröffnete der West-Berliner Peter Unsicker 1986 die Wall-StreetGallery und machte die Berliner Mauer zum Gegenstand seiner Kunst - ein ständiges Ärgernis für die Grenzoffiziere.

Frank Willmann wurde 1984 die Ausreise aus der DDR bewilligt. In West-Berlin versuchte er mit der Kunstaktion "Weißer Strich" auf die brutale Funktion der Berliner Mauer aufmerksam zu machen.

Moderation: Harald Asel (rbb-Inforadio)

mehr