DIE GRENZANLAGEN IN DEN ACHTZIGER JAHREN

Die Grenzanlagen wurden permanent ausgebaut und perfektioniert. Anfang der achtziger Jahre bot sich Flüchtlingen als erstes Hindernis die Hinterlandmauer, die den Grenzstreifen zur DDR hin abschloss. Danach musste ein Signalzaun überstiegen werden, dessen Berührung die in den Beobachtungstürmen stationierten Grenzsoldaten alarmierte. Am Fuß dieses Zaunes waren häufig Dornenmatten mit nach oben weisenden Stahlnägeln ausgelegt, die den Flüchtling entweder verletzen oder abschrecken sollten. Offiziell hießen sie "Flächensperren", die Grenzer nannten sie "Spargelbeet", im Westen wurden sie gelegentlich "Stalinrasen" genannt. Nachdem Postenweg und Kontrollstreifen überquert waren, mussten „Fahrzeugsperren“ überwunden werden, die eine Flucht mit dem Auto oder einem Lastwagen verhindern sollten. In der Innenstadt bestanden sie zumeist aus Stahligeln, die aus Eisenbahnschienen zusammengeschweißt und außerdem mit Stacheldraht verbunden waren, so auch eine Sperre für zu Fuß Flüchtende bildend. Am Außenring war häufig ein Sperrgraben angelegt worden. Als letztes Hindernis vor dem Westen mussten Flüchtlinge die 3,60 Meter hohe Grenzmauer überwinden.

An einigen Stellen waren zudem Hundelaufanlagen installiert, in denen Wachhunde den Weg versperrten, die Grenzsoldaten bei Annäherung eines Flüchtlings alarmierten und diesen von einer Fortsetzung seiner Flucht abschreckten.

Nachts war der Grenzstreifen durch die Lampen der sogenannten Lichttrasse hell erleuchtet, damit die Grenzsoldaten auch bei Dunkelheit Flüchtlinge gut erkennen konnten: Personen zeichneten sich vor den innen weiß gestrichenen Flächen der beiden Mauern, die den Grenzstreifen einfassten, deutlich ab.

In regelmäßigen Abständen von etwa 250 Metern standen mit Grenzsoldaten besetzte Wachtürme. Sie waren so positioniert, dass die dort postierten Grenzer den zwischen ihnen liegenden Grenzabschnitt gut übersehen konnten. Von dort aus überwachten sie den Grenzstreifen und das Hinterland der Grenze, um Flüchtlinge frühzeitig ausmachen zu können. Gleichzeitig sollten die Grenzsoldaten das an die Mauer angrenzende Gebiet West-Berlins beobachten.

Seit Ende der siebziger Jahre ließ die SED-Führung die bisherige Grenzmauer erneuern. Zunehmend um internationale Anerkennung bemüht, wollte sie seitdem vermeiden, dass martialisch aussehende Grenzsperren wie Dornenmatten, Bunker und Fahrzeugsperren das Außenbild der ostdeutschen Hauptstadt prägten. Seit 1983 wurden solche Sperren aus dem Grenzstreifen entfernt. Dies wurde auch möglich, weil die neue Mauer deutlich "sperrfähiger" war und die Überwachung sowohl des Grenzhinterlandes als auch der gesamten DDR verbessert worden war: es kam also weniger auf diese Grenzsperren an.

Ende der achtziger Jahre, kurz vor dem Mauerfall 1989, war die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin von den meisten der martialischen Grenzsperren geräumt.

Weitere Informationen:

Die Berliner Mauer im Jahr 1989 [PDF, 60,00 KB]
Die Mauersegmente der "Grenzmauer 75" [PDF, 480,00 KB]
Die Infrastruktur im Hinterland [PDF, 510,00 KB], veröffentlicht in: Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz (Hg.): Die Berliner Mauer. Vom Sperrwall zum Denkmal, Bonn 2009, Schriftenreihe Bd. 76/1


Von den Grenztruppen angefertigtes Schema der Grenzanlagen, 1983
Von den Grenztruppen angefertigtes Schema der Grenzanlagen, 1983
Bundesarchiv, Militärarchiv Freiburg

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Mauer und Grenzstreifen vor dem Neubau der Mauer, Kreuzberg, 1978

Mauer und Grenzstreifen vor dem Neubau der Mauer, Kreuzberg, 1978, Foto: C. Wollmann-Fiedler, Gedenkstätte Berliner Mauer

Mauer nach dem Bau der "Grenzmauer 75", Kreuzberg, 1978

"Grenzmauer 75" in Kreuzberg, 1978, Foto: C. Wollmann-Fiedler, Gedenkstätte Berliner Mauer

Abbau von Fahrzeugsperren auf dem Sophienfriedhof an der Bernauer Straße, 1985

Abbau von Fahrzeugsperren auf dem Sophienfriedhof, 1985,
Foto: unbekannt, Versöhnungsgemeinde

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