DAS SYSTEM GRENZE

Die Fluchtbewegung aus der DDR – und später auch die Ausreisebewegung – wurde von der SED als eine Form kollektiver Verweigerung, nahezu als massenhafte Rebellion gegen ihre Herrschaftsansprüche wahrgenommen. Das rechtfertigte in ihrer Auffassung einerseits das Grenzregime mit seinen hunderten Todesopfern. Andererseits versuchte sie Flüchtlinge seit dem Mauerbau zunehmend weit vor den eigentlichen Grenzanlagen abzufangen und zu verhaften. Hierfür versuchte die SED zunächst die anderen Sicherheitsbehörden, vor allem Volkspolizei und das Ministerium für Staatssicherheit, darüber hinaus aber auch die zivile Verwaltung und zunehmend die gesamte Bevölkerung in das System zur Verhinderung von Flucht und Ausreise einzubinden. Hierbei verlagerte sich der Schwerpunkt der Maßnahmen immer weiter von der Grenze mit ihren Sperranlagen weg in die Gesellschaft hinein, die dabei in den siebziger und achtziger Jahren zunehmend intensiver mit überwachenden und repressiven Maßnahmen durchdrungen wurde. Die Unterbindung von Flucht und Ausreise wurde angesichts des fortbestehenden Drangs nach Westen immer mehr zu einem heimlichen Staatszweck der DDR.

Das Projekt wird von Dr. Gerhard Sälter bearbeitet. Es ist von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert worden. Es ist weitgehend beendet, Nachrecherchen stehen noch aus, erste Teilergebnisse wurden in Aufsätzen und Vorträgen vorgestellt. Eine Buchpublikation ist geplant.