50. JAHRESTAG DES MAUERBAUS - GEDENKVERANSTALTUNG AM 13. AUGUST 2011 IN DER GEDENKSTÄTTE BERLINER MAUER

Am 13. August 2011 fand anlässlich des 50. Jahrestages des Baues der Mauer die zentrale Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße statt. Die Veranstaltung ermöglichte den Opfern von Mauer und Teilung ein würdiges Gedenken und stellte die Erfahrungen und Erinnerungen der Menschen in der geteilten Stadt in den Mittelpunkt. Weit mehr als 20.000 Besucher aus Berlin, dem Bundesgebiet und aus der ganzen Welt beteiligten sich daran.

Zentrale Gedenkveranstaltung
Bundespräsident Christian Wulff erinnerte in seiner Rede an Günter Litfin, den ersten an der Mauer erschossenen Flüchtling, und an den 21-jährigen Chris Gueffroy, der am 5. Februar 1989 auf der Flucht erschossen worden war. Er forderte dazu auf, das Unrecht durch die Mauer nicht zu vergessen und mahnte, Veränderungen in der Gesellschaft wahrzunehmen und sich gegen Unfreiheit und die Verletzung von Menschenrechten zu wenden: „Einmal mehr hat sich gezeigt: Am Ende ist die Freiheit unbesiegbar. Keine Mauer widersteht dauerhaft dem Willen zur Freiheit.“ Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit sprach vom 13. August 1961 als dem „traurigsten Tag in der jüngeren Geschichte der Stadt“, gedachte der Menschen, die in den DDR-Gefängnissen Unrecht erleiden mussten und verurteilte die nostalgische Verklärung der Mauer. Die frühere Bürgerrechtlerin Freya Klier berichtete von ihrem Fluchtversuch als 18-Jährige, der verraten worden war und den Erfahrungen der inhaftierten Flüchtlinge oder ihrer Angehörigen. Der Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann forderte besonders in den Schulen eine intensivere Aufklärung.

Rede Bundespräsident Wulff
Andacht in der Kapelle der Versöhnung
Rede Freya Klier
Gedenkveranstaltung, musikalisches Rahmenprogramm

Unter den Zuhörern an der Open-Air-Bühne in der Ackerstraße waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesratspräsidentin Hannelore Kraft, Richterin des Bundesverfassungsgerichts Susanne Baer, Rainer Wagner von der Union Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft, Außenminister Guido Westerwelle, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, Richard von Weizsäcker und Dietrich Genscher. Zahlreiche Angehörige von Maueropfern und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befanden sich unter den Gästen: Elke Rosin, die am 17. August 1961 aus einem Grenzhaus in der Bernauer Straße geflohen war, der ehemalige Anwohner der Bernauer Straße Jörg Hildebrandt, ehemalige Bewohner aus Mitte und aus dem Wedding, Fluchthelfer, Flüchtlinge und Tunnelbauer. Entlang der Bernauer Straße, die den ganzen Tag über gesperrt war, sammelten sich die Gäste und folgten der Gedenkveranstaltung.

Gedenkveranstaltungsteilnehmer
Gedenkveranstaltungsteilnehmer
Gedenkveranstaltungsteilnehmer
Gedenkveranstaltungsteilnehmer

Eröffnung der Außenausstellung
Bundespräsident Wulff eröffnete den zweiten Teil der Außenausstellung und übergab dem Direktor der Stiftung Berliner Mauer Axel Klausmeier den Schlüssel der Bernauer Straße 4, dem ehemaligen Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde. Der neue Ausstellungsbereich demonstriert am Beispiel der Bernauer Straße die Konsequenzen der Grenzschließung für die Menschen in Ost und West und thematisiert die Zwangsumsiedlungen und den Abriss der Grenzhäuser in der Bernauer Straße.

Eröffnung des neuen Abschnitts der Außenaustellung
Eröffnung des neuen Abschnitts der Außenaustellung
Eröffnung des neuen Abschnitts der Außenaustellung
Eröffnung des neuen Abschnitts der Außenaustellung

Andacht und Gedenken
In einer ökumenischen Andacht in der Kapelle der Versöhnung wurde der Opfer der Mauer gedacht. Jürgen Litfin verlas die Biografie seines Bruders, der am 24. August 1961 im Humboldthafen in der Nähe der Charité von Angehörigen der Transportpolizei erschossen worden war.

Am Denkmal wurden Kränze niedergelegt und um 12.00 Uhr in einer Schweigeminute der Opfer gedacht. In der ganzen Stadt beteiligten sich Geschäfte, Einzelhandelsverkäufer, Märkte sowie die BVG und S-Bahn daran. Die Busse standen still, an den digitalen Anzeigen und mit Lautsprecherdurchsagen wurde der Grund dafür erklärt. Mehr als 300 Mitglieder von Chören der Stadt sangen in der Bernauer Straße „Die Gedanken sind frei“. Eine Tanzgruppe aus Zeitzeugen, Schülern und Menschen mit Behinderung präsentierten auf dem Gedenkstättengelände eine Performance und begleiteten den Abschluss des Gedenkaktes künstlerisch.

Andacht für die Opfer der Mauer
Kranzniederlegung
Andacht für die Opfer der Mauer, Teilnehmer
Tanzperformance

Nachmittagsprogramm
Am Nachmittag berichteten auf der Hauptbühne ehemalige Anwohner der Bernauer Straße von ihren Erinnerungen an den 13. August 1961, Klaus-Peter Klemke erzählte von seiner Flucht über das Gelände des Elisabethfriedhofs in der Nacht nach dem Mauerbau. In weiteren Gesprächsrunden sprachen Zeitzeugen von den Auswirkungen der Teilung der Stadt auf den öffentlichen Nahverkehr. Der ehemalige West-Berliner Feuerwehrmann Klaus Abraham und Arved Raabe, 1961 Wachthabender auf dem Polizeirevier Tiergarten, erinnerten sich an Einsätze an der Mauer und bei Fluchtversuchen. Der ehemalige RIAS-Journalist und ZDF-Korrespondent in Ost-Berlin Joachim Jauer und Harald Karas, ehemaliger Leiter und Moderator der „Abendschau“ beim SFB, schilderten die damaligen Herausforderungen an die Medien. In einer Gesprächsrunde zur Fluchthilfe ging es um Fluchten mit Pässen, durch Tunnel sowie in umgebauten Autos. Ludwig Rehlinger berichtete von den Verhandlungen mit der DDR über die Freikäufe von politischen Gefangenen durch die Bundesrepublik. Er war im Gespräch mit Dietrich Gerloff und Harry Seidel, die zu den ersten Freigekauften zählten. Abschließend erinnerten sich Angehörige der ehemaligen Alliierten an die Nacht auf den 13. August 1961 und ihre Zeit in Berlin. Die Gesprächsrunden wurden musikalisch von den Gropiuslerchen, dem Rockmusiker Andreas Herzberg und Wassily Gerassimez umrahmt. Vor der Open-Air-Bühne blieb während aller Gesprächsrunden kein Stuhl frei.

Bühnenprogramm Gesprächsrunde
Bühnenprogramm, Elke Rosin
Bühnenprogramm, Gesprächsrunde mit Joachim Jauer
Zeitzeugencafe

Parallel dazu befragten Jugendliche im Zeitzeugencafé im preisgekrönten Garten des Hotels Grenzfall ehemalige Schülerinnen und Schüler von den so genannten „Ost-Klassen“ in West-Berlin. Joachim Rudolph und Klaus-M. von Keussler antworten auf die Fragen der Jugendlichen zu den Schwierigkeiten beim Bau von Fluchttunneln, Flüchtlinge erinnerten sich an ihre Flucht und ihre Ankunft in West-Berlin. Schließlich ging es in einer letzten Gesprächsrunde um Fluchten, getrennte Partnerschaften, Ausreiseanträge, Haft und Freikauf.

Die Gesprächsrunden wechselten sich mit Lesungen ab. Kerstin Maksen las aus ihrer Autobiografie über ihre Flucht über Afghanistan, Martin Ahrends aus seinem Buch „Grenzgang. Wanderung durchs Niemandsland“ und Susanne Schädlich aus „Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stadt, der Onkel und ich“.

Franziska Groszer las aus ihrem Buch „Rotz und Wasser. Eine Jugend in Ost-Berlin“ für die Kinder, die zuvor bei einer Führung für 8- bis 12-Jährige zu „Mauerexperten“ geworden waren. Bei Sonderführungen wurde die neue Ausstellung vorgestellt und die Geschichte des Sophienfriedhofs erläutert. Von 12 bis 18 Uhr stellten insgesamt über 40 Grenzlandmuseen, Aufarbeitungsinitiativen, Museen, Vereine und Organisationen ihre Arbeit und ihre Projekte auf der „Info-Meile der Zeitgeschichte“ vor.

Filmprogramm
Am Abend präsentierten sich die Regisseure des Dokumentarfilms „Mauerhaft“ und waren im Gespräch mit an dem Film beteiligten Zeitzeugen. Der Film „Mauerstaffette“ wurde vorgestellt und Interviews mit Schülerinnen und Schülern, die daran mitgewirkt hatten, geführt. Danach folgte der letzte von drei Abenden des Open-Air-Kinos.

Die Live-Übertragung der ARD und der Deutschen Welle sowie die Berichterstattung der Medienpartner rbb und Tagesspiegel erreichten viele Interessenten, die auch nach dem 50. Jahrestag mit großem Interesse das neue Ausstellungsgelände der Gedenkstätte besuchen.

Impressionen vom Ausstellungsgelände
Impressionen vom Ausstellungsgelände
Impressionen vom Ausstellungsgelände
Impressionen vom Ausstellungsgelände

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50. Jahrestag des Mauerbaus

VIDEO

Video Screenshot Walter Ulbricht

Video zum Bau der Mauer

 

Publikum Bühnenprogramm

BÜHNENPROGRAMM

Am Nachmittag erzählen Zeitzeugen auf der Hauptbühne von ihren Erinnerungen an die Ereignissen rund um den Mauerbau. Wir dokumentieren Auszüge aus den Redebeiträgen in einer Audio-Dokumentation

Publikum im Zeitzeugencafe

ZEITZEUGENCAFÉ

Jugendliche befragen Zeitzeugen. Audio-Dokumentation