DER FALL DER BERLINER MAUER

Seit der KSZE-Konferenz von Helsinki 1975, auf der die SED dem Recht auf Freizügigkeit und Reisefreiheit prinzipiell zugestimmt hatte, ohne sie tatsächlich zugestehen zu wollen, stellten immer mehr DDR-Bürger Anträge zur dauerhaften Ausreise nach Westdeutschland. Außerdem formierte sich in der DDR in den achtziger Jahren eine Oppositionsbewegung, deren Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen zunehmend fundamentaler wurde. Umweltzerstörung und wirtschaftliche Stagnation führten auch in der breiten Bevölkerung zu Verärgerung und Abwendung vom SED-Staat. Ähnliche Entwicklungen in anderen Ostblockstaaten führten beispielsweise in Polen zur Gründung der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc, die im November 1980 ihre staatliche Anerkennung erkämpfte.

Nachdem Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion geworden war, änderte sich langsam die politische Situation im gesamten Ostblock. Mit innenpolitischen Reformen versuchte er zunächst, die gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu bewältigen. 1988 gab er den für die sowjetische Außenpolitik maßgeblichen politischen Grundsatz der eingeschränkten Souveränität der Warschauer-Pakt-Staaten auf (sogenannte Breschnew-Doktrin). Damit ermöglichte er den Ostblockländern, ihre nationale Politik selbst zu bestimmen. Die ungarische Annäherung an den Westen führte dazu, dass in Ungarn am 2. Mai 1989 demonstrativ der Abbau des Grenzzauns begann und der „Eiserne Vorhang“ sein erstes Loch bekam.

Die SED wollte den Reformkurs der Sowjetunion für die DDR nicht übernehmen. Die sich Ende der achtziger Jahre formierende breite Protestbewegung in der ostdeutschen Bevölkerung und eine anwachsende Fluchtbewegung setzte der Diktatur 1989 jedoch ein Ende. Die SED sah sich zu Zugeständnissen gezwungen, darunter der Gewährung der Reisefreiheit. Nach der fehlerhaften Bekanntgabe eines neuen Gesetzes zur Ausreise fiel die Mauer am 9. November 1989 unter dem Ansturm der Menschenmassen. Der Fall der Mauer leitete den endgültigen Untergang des ostdeutschen Staates ein.

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In der Nacht vom 9. November am Grenzübergang Bornholmer Straße

In der Nacht vom 9. November am Grenzübergang Bornholmer Straße, Foto: A. Schölzel