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MITTWOCH, 12. OKTOBER 2016
PRESSEMITTEILUNG: DIE VERGESSENEN TOTEN - NEUE PUBLIKATION DER STIFTUNG BERLINER MAUER

Berlin, 12. Oktober 2016 – Eine neue Publikation der Stiftung Berliner Mauer informiert über die Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Bau der Berliner Mauer 1961. Mindestens 39 Menschen fielen dem Grenzregime zwischen April 1948 und August 1961 zum Opfer. Im Zuge des Forschungsprojekts unter Leitung von Dr. Gerhard Sälter wurden außerdem fünf weitere Opfer ermittelt, bei denen sich ein Bezug zum Grenzregime weder eindeutig belegen noch ausschließen lässt. Das Buch erläutert die Entstehung des Grenzregimes in Berlin und beschreibt die Biografien der Todesopfer.

Mit diesem Forschungsergebnis legt die Stiftung Berliner Mauer ein wesentliches Element für eine Bilanz des DDR-Grenzregimes vor. Es wird deutlich, dass es in Berlin bereits vor dem Mauerbau ein von der SED-Führung rigoros gehandhabtes Grenzregime gab. Das Buch ermöglicht zudem Einblicke in die – oft wenig beachtete – Formungsphase der DDR in den 1950er Jahren. Anhand biografischer Texte zu den Todesopfern wird in der Publikation dargestellt, in welchem Ausmaß in der Periode zwischen der Teilung der Stadt 1948 und dem Mauerbau 1961 Menschenleben für die Durchsetzung der neuen gesellschaftlichen Ordnung in Ostdeutschland und die Festigung der Macht der SED geopfert wurden.

Buchvorstellung mit Autorengespräch
Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin vor 1961


Termin: Dienstag, 15. November 2016 | 19.00 Uhr
Ort: Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer


Das Grenzregime war vor dem Mauerbau in Berlin – unter den Bedingungen der offenen Grenzen – anders ausgerichtet als später. Der noch nicht gefestigten SED-Diktatur zielte gerade in Berlin stark auf die symbolische und faktische Durchsetzung ihrer Souveränität. Deshalb finden sich nur drei Flüchtlinge unter den Todesopfern. Außerdem kamen US-Soldaten und mit Herbert Bauer ein West-Berliner Polizist im Dienst ums Leben. Bei den meisten anderen handelt es sich um Menschen, die sich bei einer Grenzüberquerung der Kontrolle durch ostdeutsche Sicherheitskräfte (Grenzpolizei und in der Innenstadt reguläre Volkspolizei) zu entziehen suchten. In den meisten Fällen machten die Grenzwächter der DDR umstandslos von der Schusswaffe Gebrauch. Sie hatten Order, die Souveränität der DDR an den Grenzen Berlins um jeden Preis durchzusetzen.

Bei den jetzt ermittelten Todesopfern handelte es sich zumeist um Menschen, die Waren im Gepäck hatten, die man nicht nach West-Berlin bringen durfte, weil sie im Osten kontingentiert waren. Andere waren nach Ost-Berlin gegangen, um einzukaufen oder Freunde und Verwandte zu besuchen.


Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn: Die vergessenen Toten. Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948-1961)
312 Seiten, 80 s/w Fotos | Ch. Links Verlag | ISBN: 978-3-86153-933-9 | Erscheinungstermin: 12.10.2016

Auf Wunsch vermitteln wir gern Interviews mit Dr. Gerhard Sälter.

Pressemitteilung [PDF, 290,00 KB]