ANWEISUNG ZUM SCHIEßEN

Mauer und Sperranlagen allein wären kein ausreichendes Hindernis für Flüchtlinge gewesen. Deshalb bewachten bewaffnete Soldaten die Mauer. Sie hatten den Befehl, auf Flüchtlinge zu schießen, wenn sie anders deren Flucht nicht verhindern konnten, im Westen kurz „Schießbefehl“ genannt. Der Schusswaffengebrauch an den Westgrenzen der DDR wurde durch interne Anweisungen und Befehle geregelt, erst seit 1982 durch ein Gesetz, das Grenzgesetz der DDR. Unabhängig von der sich verändernden Normlage galt seit 1952 eine mündlich hergestellte Befehlslage, die es für die Grenzpolizisten und Grenzsoldaten zur Pflicht machte, auf Flüchtlinge zu schießen, wenn sie auf andere Weise eine Flucht nicht verhindern konnten. An den Grenzen der DDR kamen mehrere hundert Menschen durch den Einsatz von Schusswaffen um. Zwischen 1961 und 1989 wurden allein an der Berliner Mauer 90 der 138 Todesopfer von DDR-Grenzsoldaten erschossen, die meisten von ihnen Flüchtlinge. Erst im April 1989 wurde die Anweisung zum Schießen aufgehoben und im November verlor sie mit der Öffnung der Mauer jegliche Bedeutung.

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Der Einsatz von Schusswaffen [PDF, 80,00 KB]

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Grenzsoldat bewacht den Neubau der Mauer, 1985

Grenzsoldat bewacht den Neubau der Mauer auf dem Gelände des Nordbahnhofs, 1985,
Foto: H. P. Stiebing