WERNER COCH

Eine schwierige Entscheidung

Werner Coch wuchs in der DDR auf, hatte aber Verwandte in Westdeutschland, zu denen ein enger Kontakt bestand. Mehrfach verbrachte er seine Ferien in Bremen oder Hamburg. Auch im Sommer 1961 befand sich Werner Coch, der zu dieser Zeit bereits Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Dresden studierte, auf Reisen durch Westeuropa. Das wurde von der DDR zwar nicht erlaubt, störte Werner Coch wie viele andere, die illegal unterwegs waren, aber nicht.

An einem Sonntag in Heidelberg, es war der 13. August 1961, bemerkte Werner Coch die Schlagzeilen der Zeitungen über die Abriegelung Berlins. Er hatte 1959 sein Abitur gemacht und befand sich seit dem 17. Juli 1961 als Student auf einer Reise durch Westdeutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich. Schlagartig stand er vor der Frage, ob er seine Reise beenden und nach Dresden zurück fahren sollte. Werner Coch wusste, dass er im Westen sein Abitur wiederholen und sein Studium neu hätte beginnen müssen. Dies und eine Nachricht seiner Eltern bewogen ihn, am 24. August nach Hause zurück zu kehren. Doch bald bereute er die Entscheidung. Als das neue Semester begann, wurden die Studenten bedrängt, eine Erklärung zu unterschreiben, in der sie sich freiwillig für den Dienst in der Volksarmee verpflichten sollten, wenn der Staat rufen würde. Werner Coch war einer von zwei Studenten, die sich dem Druck nicht beugen wollten. Nach mehreren Stunden in einem abgeschlossenen Hörsaal gab er dem Drängen schließlich doch nach und setzte seine Unterschrift unter die geforderte Erklärung, die er vorher abzuschwächen versuchte. Nun dachte Werner Coch darüber nach, wie er doch noch in den Westen gelangen könnte.

Ein erster Fluchtversuch im Februar 1962 mit einem gefälschten Pass konnte nicht durchgeführt werden. Ein halbes Jahr später wurde er in Polen vorübergehend festgenommen, als er sich nach Fluchtmöglichkeiten über das Konsulat in Danzig informieren wollte. Auch der Versuch durch einen Tunnel in der Brunnenstraße 45 in den Westen zu gelangen, scheiterte. Das Ministerium für Staatssicherheit hatte den Tunnel bereits entdeckt und verhaftete ihn noch an Ort und Stelle. Fünf Monate lang wurde er in der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit immer wieder vernommen. Er durfte keinen Konakt zu seinen Eltern haben, erst zum Prozess wurde ihm ein Anwalt zugeteilt. Werner Coch wurde wegen versuchter Republikflucht zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Zeit verbüßte er im Strafvollzug im Mecklenburgischen Bützow-Dreibergen.

In der Haft zugestelltes Kündigungsschreiben seines Arbeitgebers, auf dessen Rückseite Werner Coch mit Hilfe eines Aluminiumknopfes ein Schachbrett aufzeichnete.
Entlassungsschein aus der Haft [PDF, 3,7 MB]

Nach seiner Entlassung im November 1964 und einer Zeit der „Bewährung in der Produktion“ setzte er sein Studium ab Herbst 1965 in Dresden fort und arbeitete später als Diplomingenieur für Verfahrenstechnik.

Maria Nooke

Ausführliche Biographie als pdf. [PDF, 40,00 KB]

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Werner Coch

Werner Coch, 1962, Foto: privat

O-TON

Rückkehr in die DDR und die Folgen

Aus einem Zeitzeugeninterview vom 9. Juli 1999, Gedenkstätte Berliner Mauer

LITERATUREMPFEHLUNG

Nooke, Maria: Der verratene Tunnel. Geschichte einer verhinderten Flucht im geteilten Berlin, Bremen 2002.