WOLFRAM SCHRÖTER

Knuff spielt in West-Berlin weiter

Wolfram Schröter, Musiker In Wolfram Schröters Leben spielte Musik immer eine große Rolle. Insbesondere die Bluesmusik hatte es ihm angetan. Schon als Jugendlicher fuhr Wolfram Schröter als Angehöriger der Tramper-Szene zu Blues-Konzerten, bis er 1977 zusammen mit Freunden die Gruppe Knuff gründete. Um die in der DDR für Auftritte notwendige Spielerlaubnis zu erlangen, musste die Band vor einer Einstufungskommission des Rates der Stadt Weimar/Abteilung Kultur spielen und wurde als Amateurband der „Oberstufe“ zugeordnet. Mit einer Mischung aus Blues, Country, Jazz und Rock machten sich Wolfram Schröter und seine Bandkollegen sehr schnell einen Namen innerhalb der musikbegeisterten Szene. Bei der Leistungsschau der Amateurtanzmusikformationen im Jahr 1982 sprach die Beratergruppe des Bezirkskabinetts für Kulturarbeit Erfurt der Gruppe Knuff die Sonderstufe zu. Doch hier endete der Aufstieg der Musikband. Eine bereits zugesagte Teilnahme an der „Zentralen Tanzmusikwerkstatt der FDJ“ in Suhl, die der Band den Sprung ins Profi-Lager ermöglicht hätte, wurde von staatlicher Seite verwehrt. Der Grund: Wolfram Schröter und ein weiteres Bandmitglied hatten einen Ausreiseantrag gestellt.

Wolfram Schröter, am 8.9.1955 in Weimar geboren, wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Während seiner Schulzeit war er zunächst bei den Jungen Pionieren und später in der FDJ organisiert. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Heizungsinstallateur. Mitte der 1970er Jahre lernte Wolfram Schröter seine spätere Ehefrau Angelika kennen, mit der er zwei Kinder bekam. Ende der 70er Jahre wurde Wolfram Schröter zum Wehrdienst in der NVA eingezogen. Diese Zeit beschreibt er als ausschlaggebend für den späteren Entschluss, einen Ausreiseantrag zu stellen. War er hier doch der politisch-ideologischen Bevormundung durch den SED-Staat in besonderem Maße ausgesetzt.


Wolfram Schröter und Band Neben seiner großen Leidenschaft für die Musik engagierte sich Wolfram Schröter zusammen mit seiner Frau in einem Gesprächskreis der Weimarer Jakobskirche. Obwohl ihm dafür nur wenig Zeit zur Verfügung stand. Immerhin gab er, neben seiner alltäglichen Arbeit als Heizungsinstallateur, mit seiner Band Knuff bis zu 85 Konzerte im Jahr. Die Gruppe trat in Klub-Häusern und Dorf-Sälen auf und spielte unter anderem anlässlich des Weimarer Zwiebelmarktes, in der Friedenskirche in Jena und in der Weimarer Jakobskirche.

Anfang der 80er Jahre trugen sich die Schröters immer mehr mit dem Gedanken, einen Ausreiseantrag zu stellen. Viele Freunde hatten unter anderem aufgrund der fehlenden individuellen Freiräume in der DDR desillusioniert dies bereits getan. Andere waren der Meinung, dass es wichtiger sei zu bleiben, um die Verhältnisse von innen zu verändern. Die Schröters entschlossen sich, die DDR zu verlassen und stellten Ende 1982 beim Rat der Stadt Weimar/Abteilung Innere Angelegenheiten einen Ausreiseantrag. Die Antragstellung hatte Folgen: Wolfram Schröter stand unter ständiger Überwachung durch die Stasi und der Band Knuff wurden Auftrittsverbote erteilt. Um dem Fortkommen von Knuff nicht weiter im Wege zu stehen, stieg Wolfram Schröter aus der Band aus.

Beschwerde über das Outfit der Bandmitglieder [PDF, 270,00 KB]

Im März 1984 wurde den Schröters die Ausreise in die Bundesrepublik bewilligt. Sie zogen nach West-Berlin, wo Wolfram Schröter Mitte der 80er Jahre die Gruppe Knuff in neuer Formation gründete. Über Freunde erfuhr er, dass Unbekannte den Kreideschriftzug „Knuff spielt in Westberlin weiter“ am Weimarer Kasseturm aufgetragen hatten.

Lydia Dollmann

Abbildungsnachweis:
Wolfram Schröter als Musiker der DDR-Band Knuff, um 1980, Foto: privat
Die Band Knuff bei einem Konzert in der DDR, vorne links Wolfram Schröter, um 1980, Foto: privat

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Wolfram Schröter

Wolfram Schröter, 2010, Foto: L. Dollmann, Gedenkstätte Berliner Mauer

O-TON

Wolfram Schröter über seine Gründe für die Antragstellung auf Ausreise

Bericht über die Folgen des Antrages

Aus einem Zeitzeugeninterview, 20. September 2010, Gedenkstätte Berliner Mauer