Knuff spielt in West-Berlin weiter

Wolfram Schröter, am 8.9.1955 in Weimar geboren, wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Während seiner Schulzeit war er zunächst bei den Jungen Pionieren und später in der FDJ organisiert. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Heizungsinstallateur. Mitte der 1970er Jahre lernte Wolfram Schröter seine spätere Ehefrau Angelika kennen, mit der er zwei Kinder bekam. Ende der 70er Jahre wurde Wolfram Schröter zum Wehrdienst in der NVA eingezogen. Diese Zeit beschreibt er als ausschlaggebend für den späteren Entschluss, einen Ausreiseantrag zu stellen. War er hier doch der politisch-ideologischen Bevormundung durch den SED-Staat in besonderem Maße ausgesetzt.

Anfang der 80er Jahre trugen sich die Schröters immer mehr mit dem Gedanken, einen Ausreiseantrag zu stellen. Viele Freunde hatten unter anderem aufgrund der fehlenden individuellen Freiräume in der DDR desillusioniert dies bereits getan. Andere waren der Meinung, dass es wichtiger sei zu bleiben, um die Verhältnisse von innen zu verändern. Die Schröters entschlossen sich, die DDR zu verlassen und stellten Ende 1982 beim Rat der Stadt Weimar/Abteilung Innere Angelegenheiten einen Ausreiseantrag. Die Antragstellung hatte Folgen: Wolfram Schröter stand unter ständiger Überwachung durch die Stasi und der Band Knuff wurden Auftrittsverbote erteilt. Um dem Fortkommen von Knuff nicht weiter im Wege zu stehen, stieg Wolfram Schröter aus der Band aus.
Beschwerde über das Outfit der Bandmitglieder [PDF, 270,00 KB]
Im März 1984 wurde den Schröters die Ausreise in die Bundesrepublik bewilligt. Sie zogen nach West-Berlin, wo Wolfram Schröter Mitte der 80er Jahre die Gruppe Knuff in neuer Formation gründete. Über Freunde erfuhr er, dass Unbekannte den Kreideschriftzug „Knuff spielt in Westberlin weiter“ am Weimarer Kasseturm aufgetragen hatten.
Abbildungsnachweis:
Wolfram Schröter als Musiker der DDR-Band Knuff, um 1980, Foto: privat
Die Band Knuff bei einem Konzert in der DDR, vorne links Wolfram Schröter, um 1980, Foto: privat


