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FREITAG, 21. MAI 2010
DIE MAUER UND DER TODESSTREIFEN

Auf dem ehemaligen Mauerstreifen informiert die jetzt eröffnete Dauerausstellung über die Ereignisse entlang der Bernauer Straße während der Teilung, den Aufbau und die menschenverachtende Funktion der Grenzanlagen. Dabei werden die Geschichten von Opfern, von Flüchtlingen und Menschen, deren leben durch die Mauer verändert wurde, erzählt. Reste und Spuren markieren die Mauergeschichte, verschiedene Ausstellungselemente, wie Stelen mit Film- und Tondokumenten, geben dazu die notwendigen Erläuterungen und schaffen den historischen Zusammenhang. Mit dem "Fenster des Gedenkens" erhalten die Mauertoten einen würdigen Ort des individuellen Gedenkens, in Ergänzung zum bestehenden Denkmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit:

"Kein anderes Bauwerk hat die Geschichte und das Bild unserer Stadt so geprägt wie die Berliner Mauer. Sie steht für Trennung, Unterdrückung, Verfolgung, Unfreiheit. Ihr Fall war und ist ein weltweites Symbol der Hoffnung dafür, dass Diktaturen überwunden werden können. Der Mauerfall ist das ermutigende Symbol der erfolgreichen Friedlichen Revolution und für das Ende des Kalten Krieges in Berlin, Deutschland und der Welt. Mit der Gedenkstätte Berliner Mauer und der Arbeit der Stiftung Berliner Mauer wollen wir an diese mörderische Grenzziehung durch das Herz unserer Stadt, an die Opfer und die Verantwortung der Täter erinnern und an dem ereignisreichsten und bestdokumentierten Mauerort die erhaltenen Spuren sichtbar und Geschichte nachvollziehbar machen."

Die neue Ausstellung auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Garten- und Ackerstraße ist der erste Abschnitt des erweiterten Gedenkstättenareals, auf dem in weiteren Schritten die Geschichte der Mauer und die Ereignisse entlang der Bernauer Straße bis Höhe Mauerpark markiert und erzählt werden. Die Teilung dieser Straße, die Trennungen von Familien und Nachbarn waren an diesem Ort besonders hautnah spürbar, wurde deshalb auch weltweit bekanntes Symbol für die Teilung von Berlin und Deutschland.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann betonte:

"Für die Bundesregierung hat die Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Gedenken an ihre Opfer einen hohen Stellenwert. Der Bund engagiert sich daher gemeinsam mit dem Land Berlin nachhaltig dafür, mit der Gedenkstätte Berliner Mauer einen Ort der Aufklärung über die SED-Diktatur zu schaffen. Das Herzstück der Ausstellung, das 'Fenster des Gedenkens', ermöglicht ein würdiges Gedenken für die vielen Berliner Maueropfer. So wird vor allem auch für kommende Generationen deutlich, dass hier eine unmenschliche, im wahrsten Sinne mörderische Grenze verlief, für die das SED-Regime verantwortlich war."

Die Gestaltung dieses Außenbereichs ist das Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs, den die Planer und Gestalter 2007 gewonnen hatten, für die Landschaftsplanung das Büro sinai, Berlin, für die Ausstellungsarchitektur, mit dem Fenster des Gedenkens, ON architektur C. Fuchs. Die grafische Gestaltung der Ausstellungselemente ist von Berthold Weidner (Atelier Weidner/Händle), Stuttgart.

Mit dem Neubau des Besucherzentrums und der Ausstellung "Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin" im benachbarten S-Bahnhof Nordbahnhof ist die Gestaltung auf dem ehemaligen Mauerstreifen ein weiterer Schritt zur Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Dr. Axel Klausmeier:

"An der einstigen Nahtstelle zwischen Ost und West, an der mindestens 136 Menschen ihr Leben verloren - hier in der Bernauer Straße waren es allein fünf Menschen - übergeben wir heute den einstigen Tatort Berliner Mauer der Öffentlichkeit, weil aus ihm ein außerschulischer Lern- und Bildungsort geworden ist, der aufgrund seiner hohen Ereignisdichte und der großen Zahl an materiellen Resten und Zeugnissen der einstigen Berliner Grenzanlagen wie kein anderer geeignet ist, die Erinnerung an die Geschichte der Teilung wach zu halten und den Opfern kommunistischer Gewaltherrschaft ein würdiges Gedenken zu ermöglichen. Ein Lernort für das Verständnis von Freiheit, für die Prinzipien des Rechtstaates und von demokratischen Grundwerten, sowie für das Verständnis, dass diese wichtigen Güter nicht selbstverständlich sind.
Das Ausstellungskonzept nutzt die hohe Spuren- und Ereignisdichte an der Bernauer Straße, um exemplarisch am historischen Ort und auf ihn bezogen über Zweck und Funktion der Berliner Mauer zu informieren. Einem Tat- und Ereignisort angemessen haben wir mit geradezu kriminalistischen Methoden die historischen Reste und Spuren gesichert, damit sie auch späteren Generationen noch weitere Erkenntnisse über die Perfidie des Systems erzählen können."


Die Baukosten teilen sich auf in den Bereich Geländeerschließung, der von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen (Sen WTF) aus Mitteln des Bund-Länder-Programms "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (90%) und aus Komplementärmitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (10%) finanziert wird, und den Bereich der Open-Air-Ausstellung, der aus Mitteln des EU-EFRE-Programms (50%) über den Beitrag des Kulturinvestitionsprogramms (KIP) des Landes Berlin, einer Initiative der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, des Bundes (25% aus Gedenkstättenprogramm von BKM) und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie (25%) finanziert wird.

Die Baukosten der neuen Außenausstellung auf einer Fläche von ca. 20.000 m² betragen 1,8 Mio. €, für alle zwei- und dreidimensionalen Nachzeichnungen und alle Ausstellungselemente, also 18 Info-Stelen, 1 Orientierungsmodell, 3 Todeszeichen, 29 Ereignismarken und das Fenster des Gedenkens.

Baukosten Geländeerschließung: 1.4 Mio. € (für Landschaftsbau, Elektroanlagen und Wassertechnik, incl. Baunebenkosten).

Die Ausstellung im Außenbereich ist künftig rund um die Uhr und kostenfrei zugänglich. Im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 119, 13355 Berlin, werden ebenfalls kostenfrei ein Einführungsfilm und eine Animation der früheren Grenzanlagen gezeigt.
Öffnungszeiten: 9:30 Uhr bis 19:00 Uhr.

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Für Rückfragen:
Thomas Klein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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