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DONNERSTAG, 29. OKTOBER 2015
MITARBEITERIN DER STIFTUNG BERLINER MAUER ERHÄLT OPUS PRIMUM FÖRDERPREIS FÜR BESTE WISSENSCHAFTLICHE NACHWUCHSPUBLIKATION

Für ihre Dissertation „Auftrag: Menschenraub“ über Entführungen von Westberlinern und Bundesbürgern durch die Stasi wird Dr. Susanne Muhle, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stiftung Berliner Mauer arbeitet, mit dem Förderpreis der VolkswagenStiftung für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Förderpreis Opus Primum wird zusammen mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis am 25. November im Schloss Herrenhausen in Hannover verliehen.

Bis heute ist kaum bekannt, dass in den 1950er und 1960er Jahren etwa 400 Menschen aus West-Berlin und der Bundesrepublik durch das Ministerium für Staatssicherheit in die DDR verschleppt wurden. Zu den Opfern gehörten beispielweise Mitglieder antikommunistischer Vereinigungen in West-Berlin, Mitarbeiter westlicher Geheimdienste oder aus der DDR geflohene Angehörige des MfS. Diese Personen wurden oftmals gewaltsam, unter Anwendung von Betäubungsmitteln oder mit Täuschungsmanövern in die DDR entführt und dort tage-, wochen- oder gar jahrelang festgehalten.

Bild Susanne MuhleDie Historikerin Susanne Muhle hat in ihrer Arbeit zahlreiche, bisher noch nicht gesichtete Dokumente aus MfS-Akten und bundesdeutschen Unterlagen über diese gewaltsamen Entführungen ausgewertet. In ihrer nun ausgezeichneten Publikation „Auftrag: Menschenraub“ stellt sie die Tathergänge, Mechanismen und Funktionen dieser Entführungen aus der Zeit der deutschen Teilung anschaulich dar. In Anlehnung an die Gewalt- und Täterforschung begibt sie sich auf die Spuren der Entführungsopfer und Entführer. Mit dem Preisgeld erhofft sie sich, weiterhin Aufklärungsarbeit über die gemeinsame Geschichte der Bundesrepublik und der DDR leisten zu können.

„Susanne Muhle arbeitet ein im politischen Gedenken verschüttetes, aber wichtiges Thema der Nachkriegsgeschichte der beiden deutschen Staaten auf. Durch intensive Arbeit an zahllosen Quellen gelingt es ihr, die persönlichen Schicksale von Entführten in sehr anschaulichen Fallstudien zu schildern, diese aber gleichzeitig immer auch im größeren politischen Zusammenhang zu verorten“, stellt Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung und Vorsitzender der Jury anerkennend fest. Mit dem Förderpreis wird eine wissenschaftliche Publikation prämiert, die gut lesbar geschrieben und auch einem breiten Publikum verständlich sein muss: „Susanne Muhle hat ein Werk verfasst, dass den Leser berührt“, so die Jury.

Die Jury des Förderpreises Opus Primum besteht aus Jutta von Campenhausen, Wissenschaftsjournalistin und Autorin, Prof. Dr. Gabriele Clemens, Europäische Geschichte Universität Hamburg, Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Dr. Ulrich Kühn, Norddeutscher Rundfunk, Prof. Dr. Jürgen Renn, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin, Prof. Dr. Caja Thimm, Professorin für Medienwissenschaft und Intermedialität Universität Bonn und Christian Schwägerl, Wissenschaftspublizist.

Susanne Muhle, geboren 1980 in Lohne/Oldenburg, studierte in Münster Neuere und Neueste Geschichte, Europäische Ethnologie und Soziologie. Während ihrer Promotion wurde sie von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Berliner Mauer in den Bereichen Historisch-Politische Bildungsarbeit und Forschung.

Susanne Muhle steht für Pressegespräche gern zur Verfügung.

Literaturangabe:
Auftrag: Menschenraub. Entführungen von Westberlinern und Bundesbürgern durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2015. 670 Seiten. 49,99€.

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