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DONNERSTAG, 25. JULI 2019
ROGGENERNTE AN DER KAPELLE DER VERSÖHNUNG

Berlin, 25. Juli 2019 – Am heutigen Donnerstag wurde das Roggenfeld an der Kapelle der Versöhnung auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer abgeerntet. Das rund einen halben Hektar große Getreidefeld im ehemaligen Grenzstreifen ist ein wesentliches Element der Gedenkstätte an der Bernauer Straße: Es steht als symbolkräftiges Zeichen für das Leben und damit für die Überwindung von Angst und Gewalt an diesem historischen Ort. Roggenfeld und Roggenernte sind ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Berliner Mauer, der Evangelischen Versöhnungsgemeinde und mehrerer Kooperationspartner.

Seit 2006 liegt die Betreuung des Roggenfeldes in den Händen der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität – Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften (www.agrar.hu-berlin.de), welche die Pflege, Ernte und Aussaat übernimmt und sich mit verschiedenen Forschungsprojekten für das Roggenfeld engagiert.

In diesem Jahr wird eine Ernte von rund 400 kg (entspricht 20 Dezitonnen pro Hektar) erwartet, so Prof. Dr. Frank Ellmer und Dipl.-Ing. agr. Michael Baumecker vom Albrecht Daniel Thaer-Institut. Das bei der Ernte anfallende Stroh wird zur Verbesserung der Bodenqualität in den Boden eingearbeitet.

Nach der Ernte wird das Korngut für verschiedene Projekte eingesetzt. Unter anderem wird daraus Brot gebacken, das einmal wöchentlich an BesucherInnen der Kapelle der Versöhnung ausgegeben wird. Dafür wird das Korn in einer Mühle in Marzahn geschrotet und von der Berliner Bäckerei Domberger Brot-Werk (www.domberger-brot-werk.com) verarbeitet.

Roggenkörner werden außerdem in kleine Säckchen gefüllt; jedes enthält ca. 300 Gramm Korn für eine Mahlzeit oder zur Aussaat. Die Säckchen sind gegen eine Spende an der Kapelle erhältlich und reisen von hier aus in die Welt: So erreichten die Versöhnungsgemeinde zuletzt Nachrichten von BesucherInnen aus den Niederlanden und aus Schottland, die den Roggen zuhause ausgesät haben.

Ein Teil der Ernte wird im Rahmen des Projekts Friedensbrot (www.friedensbrot.eu) in diesem Jahr nach Litauen geschickt: Dort wird es mit Getreide aus elf Ländern Mittel- und Südosteuropas, welches aus Roggensaatgut von der Bernauer Straße gewachsen ist, gemischt, gemahlen und zu einem gemeinsamen europäischen „FriedensBrot“ verbacken.

Erstmals beteiligte sich in diesem Jahr auch die Caritas-Werkstatt St. Johannesberg aus Oranienburg (www.caritas-werkstatt.com) an der Roggenernte: Sie mähte einen Teil des Feldes mit der Sense, um die langen Strohhalme anschließend zu sog. Bienen-Schieden zu verarbeiten, die vom Verein Mellifera e.V. (www.mellifera.de) zur ökologischen Bienenhaltung eingesetzt werden.

Bereits im Frühjahr 1990 hatten einige OstberlinerInnen auf dem Stück Mauerstreifen Lupinen ausgesät. Später übernahmen Mitglieder der Versöhnungsgemeinde die Aussaat als Teil ihrer Gemeindearbeit – im einstigen Todesstreifen sollte wieder etwas wachsen. Das Roggenfeld, als Kunstaktion 2005 vom Bildhauer und Steinmetz Michael Sprengler ins Leben gerufen, konnte 2011 in die Ausgestaltung der Gedenkstätte Berliner Mauer einbezogen werden. Die in das Feld eingebettete Kapelle der Versöhnung lebt seither nicht allein mit dem Kirchenjahr und der Wiederkehr der Gedenktage zum Mauerbau und zur Friedlichen Revolution: Hinzu kommt das Mitleben im bäuerlichen Jahr zwischen Aussaat und Ernte.


Pressefotos stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

Pressemitteilung als PDF [PDF, 22,5 MB]
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Pressekontakt: Gesine Beutin i. Vtr. für Hannah Berger | Pressesprecherin Stiftung Berliner Mauer
Bernauer Straße 111 | 13355 Berlin |Tel. 030 / 213 0851 61 | E-Mail