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DIENSTAG, 14. FEBRUAR 2012
ZUM TOD VON KLAUS KNABE: DIE IDEE DER FREIHEIT UND DER WERT DER DEMOKRATIE PRÄGTEN SEIN LEBEN

Am 11. Februar 2012 ist der Gründer und langjährige Leiter des DDR-Museums in Pforzheim im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Klaus Knabe wuchs in Sachsen auf und flüchtete wenige Wochen vor dem Mauerbau am 11. Juli 1961 gemeinsam mit seiner Frau aus politischen Gründen in den Westen. Nach dem Ende der DDR baute er das einzige DDR-Museum im westlichen Teil Deutschlands auf, um der jungen Generation die Bedeutung von Freiheit und Demokratie zu vermitteln.

Klaus Knabe fand nach seiner Flucht eine neue Heimat in Pforzheim, wo er als selbständiger Rundfunk- und Fernsehtechniker arbeitete. Er hielt engen Kontakt zu seinen Verwandten in der DDR und unterstützte sie mit all seinen Möglichkeiten. Den Mauerfall am 9. November 1989 erlebte er während einer Besuchsreise in der DDR. In der Folgezeit zog es ihn immer wieder zu der nun durchlässigen innerdeutschen Grenze und in seine alte Heimat. Bei seinen vielen Fahrten begann er, die Hinterlassenschaften der DDR und ihrer Machthaber zu sammeln. All die Dinge, die niemand mehr sehen wollte, und die doch so viel über das Land und das untergegangene SED-Regime aussagten, deponierte er auf dem Speicher seines Wohnhauses. Im September 1998 eröffnete er das DDR-Museum in Pforzheim und machte damit – unterstützt von der Stadt und einem Trägerverein – seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Er wollte der jungen Generation zeigen, welch hohes Gut es ist, in Freiheit und Demokratie zu leben. Mehr als 700 Schulklassen und etwa 40.000 Besucher haben die Sammlung inzwischen gesehen. Viele sind von dem Museumsgründer selbst durch die Räume geführt worden. Seine Frau begleitete und unterstützte ihn bei dieser Arbeit.
Klaus Knabe hat unermüdlich Kontakte geknüpft. Es gab kaum ein Treffen von Opferverbänden, Grenzmuseen oder Aufarbeitungsinitiativen, auf dem er nicht anwesend war und für sein Museum warb. Es gelang ihm, zahlreiche prominente Politiker und Bürgerrechtler wie Jochen Vogel, Joachim Gauck, Wolfgang Tiefensee, Lothar de Maiziere, Hans-Joachim Papier, Marianne Birthler oder Rainer Eppelmann zur Unterstützung seiner Arbeit nach Pforzheim zu holen.

Dennoch war eine dauerhafte Existenz des Museums, wie es sich Klaus Knabe gewünscht hat, lange Zeit nicht gesichert. Eine in Gründung befindliche Stiftung soll nun das Bestehen dieses aus privater Initiative entstandenen bemerkenswerten Museums sichern. Unterstützung hat Klaus Knabe dafür auch beim Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewonnen, dessen Mitglied er war. Joachim Gauck, ehemaliger Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und Vorsitzender dieses Vereins kam im Dezember letzten Jahres zu einer Veranstaltung nach Pforzheim und warb in und mit der Stadt für die Gründung dieser Stiftung. Klaus Knabe hat diesen Prozess mit Bangen und Hoffen begleitet. Am Vollzug der Stiftungsgründung kann er nun nicht mehr teilhaben. Doch die Sicherung des von ihm initiierten Lernortes und die Weiterführung seiner Arbeit bleiben Herausforderung und Verpflichtung zugleich.

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